Erläuterungstafeln

Bredstedt wurde 1231 im Erdbuch (Steuerbuch) des dänischen Königs Waldemar II. erstmals urkundlich erwähnt. Einzelfunde und Siedlungsreste deuten auf eine dauerhafte Ansiedlung seit der Jungsteinzeit hin. Der in Nord-Süd-Richtung an der Geestkante verlaufende Weg, ein Nebenweg zum „alten Ochsenweg“, durchquerte hier den mäandrierenden Bach Hollebek mit einer Furt, später einem Holzsteg/-brücke. 1853 entstand eine steinerne Brücke.

1477 erhielt Bredstedt die Fleckensgerechtigkeit. Als Amtssitz der Hardesvögte und Gerichtstätte entwickelte sich der Flecken zum Verwaltungs- und Versorgungsmittelpunkt der Nordergoesharde (von der Arlau im Süden bis zur Soholmer Au im Norden, von Viöl/Joldelund im Osten bis an die Nordsee im Westen; insgesamt ein Flecken und 51 Dörfer).

1530 erhielt der Flecken von König Friedrich I. die Genehmigung, jährlich zwei Jahrmärkte abzuhalten, ab 1580 zusätzlich einen wöchentlichen Markttag, bis zum heutigen Tag der Freitag. Der Markt entwickelte sich zu einem Handelsplatz und Treffpunkt und gewann als regionaler Viehmarkt und Auktionsplatz früh an Bedeutung. Klaus Groth verfasste 1870 die niederdeutsche Versnovelle „De Heisterkrog“ und schrieb: „In Bredstedt weer’t vundag Michaelimarkt“ (mehrtägiger herbstlicher Vieh- und Krammarkt). Landwirtschaft und Handwerk waren die bestimmenden Wirtschaftsfaktoren.

Der historische Marktplatz befand sich im Privatbesitz der Marktanlieger, bis diese 1837 durch Unterschrift ihr Eigentum an den Flecken abtraten und ihre Zustimmung zum Ausbau eines „regulären“ Marktplatzes gaben. Bis 1864 war der Marktflecken Bredstedt königlich dänisch, dann kam er zu Preußen und zum Kaiserreich. 1900 erhielt Bredstedt die Stadtrechte, 1998 das Prädikat Luftkurort.

Bredstedt besaß

  • 1769 = 1.289 Einwohner und knapp 300 Häuser
  • 1900 = 2.356 Einwohner und 417 Häuser
  • 2006 = 5.100 Einwohner und ca. 1.800 Häuser.

Die Gesamtfläche der Gemarkung Bredstedt beträgt fast 1.000 ha, davon sind ca. ein Drittel bebaut bzw. überplant (Baugebiete).

Die Hinweistafeln

    1. Die Spar- und Leihkasse zu Bredstedt
    2. Die Alte Apotheke
    3. Haus der Landvögte
    4. Alte Pumpe
    5. Alte Tabakfabrik und Wohnhaus Preisler
    6. Üüj schölj, nü Nordfriisk Instituut / Alte Volksschule, jetzt Nordfriisk Instituut
    7. Alter Kirchhof
    8. Altes Zollhaus
    9. Alte Mittelschule, jetzt Bürgerhaus
    10. Friedhof
    11. Naturzentrum (Alte Landwirtschaftsschule)
    12. Bahnhof
    13. Ulmenhof
    14. Magnussen-Haus
    15. Stockhaus
    16. Brücke am Hollebek
    17. Alte Wassermühle
    18. Clementinische Stiftung
    19. Altes Pastorat
    20. Amtsgericht
    21. Amtsgebäude für das Amt Mittleres Nordfriesland (früher Landwirtschaftsschule)
    22. Mühle “Lütjenshöft”
    23. Ehemaliges Kaiserliches Postamt

1 Nord-Ostsee Sparkasse, ehemals Spar- und Leihkasse zu Bredstedt und Rathaus. Der ältere nördliche Gebäudeteil wurde 1893 / 94 nach einem Entwurf des Architekten A.W. Prale als Sparkasse und Rathaus in neogotischem Stil, „ zur Zierde des Fleckens“, errichtet. Den Eckturm zieren zwei Figuren ( Glück und Wohlstand ), den Nord-Giebel die Wappen Nordfrieslands, Bredstedts und Schleswig-Holsteins. Der 1930 vom Architekten G. Widmann errichtete An- und Erweiterungsbau passt sich dem älteren Bauabschnitt und der vorhandenen Bebauung am Markt besonders an. Die 1840 gegründete Spar-und Leihkasse ist mit der Geschichte Bredstedts eng verbunden. Sie unterstützte mehrfach neue Unternehmen und Einrichtungen ( wie Marschbahn, elektrische Straßenbeleuchtug, Park u.a.) sowie soziale und kulturelle Anliegen. Durch die Bildung des Amtes Mittleres Nordfriesland im Jahre 2008 wurde das Rathaus nicht mehr als Verwaltungsgebäude für die Stadt Bredstedt benötigt. Die Spar-und Leihkasse zu Bredstedt fusionierte 2013 mit der Nord-Ostsee-Sparkasse.


2 Die Alte Apotheke wurde 1611 als Wohnhaus vom Hardesvogten Urban Pauls errichtet und ist somit nach der Kirche das älteste noch erhaltene Gebäude der Stadt. Die Granitstelen vor dem Eingang tragen seine Initialen „U.P. 1626“. Christian IV., König von Dänemark (1588-1648), war mehrmals Gast in diesem Hause. Auch später wohnten hier Hardes- und Landvögte. Bereits im 17. Jahrhundert ist in Bredstedt eine Apotheke nachweisbar, in diesem Gebäude durchgängig seit 1797. Das Haus wurde 1971 grundlegend umgestaltet.


3 Haus der Landvögte. Hier in der Osterstraße wohnten im 18.Jahrhundert die Landvögte, die obersten Beamten der Nordergoesharde (Landschaft Bredstedt, seit 1785 Amt Bredstedt). Der Landschreiber Lorenz Jacob Clausen ließ bei einem Neubau des Hauses 1743 seine Familienwappen in das Portal einsetzen; sie befinden sich jetzt in der Westwand. Ihm folgten u.a. die Landvögte von Brockdorff, von Kleist und der Amtmann von Blücher. Das Haus in seiner jetzigen Form mit dem schön geschwungenen Giebel wurde 1935/36 erbaut. 1989 wurde das Gebäude mit Städtebauförderungsmitteln für die Nutzung als Buchhandlung renoviert. 2008 wurde das Anwesen verkauft, umgebaut und insgesamt vom Diakonischen Werk angemietet.


4 Alte Pumpe. Bis 1950 standen an mehreren Stellen in Bredstedt öffentliche Pumpen, die den Bedarf der Menschen an gutem Wasser befriedigten. Für den Bau und die Unterhaltung waren „Pumpengemeinschaften“ zuständig. Dieser Nachbau, der durch großzügige Spenden von Hans-Eberhard-Eichweber (Südafrika) und Bredstedter Bürgern ermöglicht wurde, soll an diese Zeit erinnern. Die Bredstedter Handwerker Günther Paulsen (Holzarbeiten), Wilhelm Gries (Metallarbeiten) und Uwe Breckling (Malerarbeiten) haben den Pumpennachbau unentgeltlich angefertigt. Die Pumpe steht vor einem der letzten Giebelhäuser am Markt, die früher das Ortsbild prägten.


5 Alte Tabakfabrik. Die Tabakfabrik Preisler war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der größte Wirtschaftsbetrieb in Bredstedt. Sie versendete bis 1960 Tabak und Zigarren nach ganz Deutschland. Die Anlage in der heutigen Form entstand in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Das Wohnhaus mit Kontor ließ Inhaber Bruno Preisler 1911 grundlegend umbauen. In den Gebäuden befinden sich seit der Sanierung (1993/97) das Forstamt Nordfriesland sowie Wohnungen und Geschäfte.


6. Üülj Schölj, nü Nordfriisk Instituut Apseet 1871 ma en klasisistischen insliik, tujarst ma seeks, awäädrie ma oocht klaserööme. As 1967 et nai grün- än hoodschölj bäged wörd, fleeted et reoolschölj heer inönj, än bit 1984 wörd di bäg brükd foont schölj for bjarne, wat et swåår mat liiren hääwe. 1989/90 wörd et hüs ma stipe foont lönj Slaswig-Holsteen ålhiil renowiird. Sü wörd di bäg et stää fort Nordfriisk Instituut, wat ham bemöitet am e nordfrasche spräke, histoori än kultuur. Daheere keere wårde sunt 2015 önj en önjbäg präsentiird, weer uk e soomlinge foont instituut bewåård wårde.

6 Alte Volksschule, jetzt Nordfriisk Instituut; errichtet 1871 mit klassizistischen Stilelementen mit zunächst sechs, später acht Klassenräumen. Nach dem Bau der neuen Grund- und Hauptschule 1967 diente das Gebäude der Realschule und bis 1984 der Schule für Lernbehinderte. 1989/90 aus Mitteln des Westküstenprogramms des Landes Schleswig-Holstein umfassend renoviert und von störenden Anbauten befreit, ist das Gebäude seitdem Sitz des Nordfriisk Instituut, der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung für die nordfriesische Sprache, Geschichte und Kultur. In einem 2015 errichteten Anbau werden diese Themen präsentiert und die Sammlungen des Instituts verwahrt.


7 Alter Kirchhof. Seit 1462 besaß Bredstedt eine vom Breklumer Priester betreute Kapelle. Sie wurde 1511 erweitert und um 1535 zur eigenständigen Kirche. Die St. Nikolai-Kirche ist ein spätgotischer Ziegel- und Feldsteinbau. Auf dem Kirchhof wurden 1462 bis 1870 die Toten bestattet, insgesamt beinahe 20.000 Felssteine mit Initialen, Hausmarken und Jahreszahlen befinden sich an dem Wall an der Süderstraße, alte Grabmale südlich der Kirche. Der Torbogen (Stegel) im Westen wurde 1729 errichtet. Den Kirchhof umgibt eine – nicht mehr vollständige – Lindenallee. An die Gefallenen der Weltkriege erinnern ein Granitblock mit Helm (1921) und eine Gedächtnishalle an der Südseite der Kirche (1956). Das Gemeindehaus wurde 1963 errichtet. Schräg gegenüber der Kirche befindet sich in der Süderstraße das 1890 erbaute Pastorat.


8 Altes Zollhaus, 1845 als Nebenhaus der Dienstwohnung des Landvogts Johann Carstens errichtet. Nach 1850 wurde es als Packhaus des königlichen Zollamtes genutzt. Hier lagerten zumeist eingeführte und mit Abgaben (Zoll) belegte Waren. In Bredstedt gab es bis 1876 königliche Zollverwalter, die vor allem zur Zeit der Salzsiederei für die Steuererhebung zuständig waren. Nach dem Bau der Mittelschule 1913 wurde das Haus Dienstwohnung des Rektors, später des Hausmeisters. Seit 1989 dient es als Altenbegegnungsstätte, seit 2004 als Wohnhaus.


9 Am 06.06.1910 erörterte der Bredstedter Schulbeirat die Notwendigkeit, das Schulwesen in der Stadt neu zu ordnen. In vielen Kleinstädten bemühte man sich zu jener Zeit um die Errichtung von Mittelschulen, die über das Ziel der Volksschulen hinausgingen. Die Bredstedter Stadtvertretung betonte am 30.06.1910 den Wert einer Mittelschule vor Ort, zumal in der Volksschule mit Ausnahme der Mädchenklasse, sämtliche Klassen überfüllt waren. Am 11.03.1911 befürwortete die Stadtvertretung mit großer Mehrheit die Errichtung einer Mittelschule.
Am 20.04. 1911 wurde der Unterricht aufgenommen, zunächst in der Volksschule. Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten für ein neues Gebäude. Es wurde nach Plänen des Neumünsteraner Architekten Hans Roß von dem Bauunternehmer Karl Johannsen aus Bredstedt für 49.000 Mark erstellt, Die technische Einrichtung kostete nochmal 7.000 Mark. Der Bau wurde errichtet als zweigeschossiger, quadratischer Bau unter einerm großen, weich anschwingenden Walmdachmit einem Firsttürmchen. Als besondere Gestaltungselemente sind das breite, norddeutsch-barock gebildete Bogenportal mit der prächtigen Eingangstür und das konvex vorschwingende Treppenhaus-Risalit zur Straßenfront hervorzuheben.
Der Backsteinbau ist ein herausragendes Beispiel für die Heimatschutz-Architektur, die sich gegen den als überladen empfundenen Baustil des wilhelminischen Zeitalters wandte. Am 13.10.1913 nach den Herbstferien, konnte die neue Schule bezogen werden. Am 24.10. wurde sie mit einer einfachen Feier eingeweiht.
Nachdem die Mittelschule zwischen 1914 und 1945 schwere Zeiten durchlebt hatte, ging es danach wieder bergauf.
1974 wurde mit den Bauarbeiten in der Süderstraße für einen Neubau begonnen, der 1975 fertiggestellt wurde. Am 04.08.1975 wurde die neue Realschule bezogen. Das alte Schulgebäude wurde bis 1984 von der Sonderschule genutzt, die die Räumlichkeiten nach der Fertigstellung eines Neubaus an der Realschule aufgab.
1987/1988 wurde das Gebäude umfassend saniert und umgestaltet. Es beherbergt seitdem unter anderem die Stadtbücherei, einen Veranstaltungsraum mit Bühne, den Verein für Bredstedter Stadtgeschichte und Stadtbildpflege und die Kleiderstube.


10 Friedhof. Ursprünglich wurden die Toten bei der St. Nikolai-Kirche bestattet. Aus Platzgründen legte man 1871 einen neuen Friedhof an. In der Mitte wurde eine „Friedenseiche“ gepflanzt, die an die Gründung des Deutschen Reiches 1871 erinnern soll. Westlich davon erhebt sich eine Doppeleiche, gesetzt 1898 am 50. Jahrestag der schleswig-holsteinischen Erhebung. Der Friedhof wurde mehrfach vergrößert. Die 1912 eingeweihte, später erweiterte Kapelle erhielt 1957 eine eigene Glocke. Gedenkstätten auf dem Friedhof erinnern an die Opfer der Weltkriege, an hier bestattete Kriegsgefangene und an das Schicksal der Heimatvertriebenen.


11 Naturzentrum (Alte Landwirtschaftsschule), 1897 errichtet als landwirtschaftliches Ausbildungszentrum für Nordfriesland und die schleswigsche Geest. Getragen vom nordfriesischen landwirtschaftlichen Verein, war die Schule eine der ersten ihrer Art in Schleswig-Holstein. In der Theodor-Storm-Straße entstand 1952 ein Neubau. Dieses Gebäude diente danach als Außenstelle der Kreisberufsschule. Mit der Eröffnung des Naturzentrums 1976 wurde es einer neuen Verwendung zugeführt. Zusammen mit dem Bahnhof und der Bebauung der Bahnhofstraße bildet das Haus ein Ensemble im Stil der wilhelminischen Architektur jener Zeit.


12 Bahnhof, Bereits bei der Eröffnung der Ostseebahn war das Projekt einer Verlängerung der Zweigbahn Elmshorn – Glückstadt über Itzehoe nach Heide besprochen worden. Diese Teilstrecke wurde 1878 eröffnet.
Es sollte dann das nächste Ziel sein, die Bahn über Heide – Lunden – Husum – Bredstedt – Niebüll – Süderlügum – Tondern bis Vridding an der dänischen Grenze zu verlängern. Aspekte waren der steigende Personen- und Güterverkehr, sowie die Viehtransporte zu den Viehmärkten in Husum und Bredstedt. Die Holsteinische Marschbahn-Gesellschaft erklärte sich bereit, diesen Bau durchzuführen. Fernen fand ein Umstand Beachtung, der Verkehr von Reisenden zu den Inseln Föhr und Sylt.
Für den damaligen Flecken Bredstedt als Unterzentrum für ein weiteres Umland war im Zuge der Arbeiten auch ein Bahnhof vorgesehen, der Ende 1887 auf der Ostseite des Ortes zusammen mit dem Ausbau der Bahnhofstraße fertiggestellt wurde. Wie der Bahnhof selbst, wurde auch die zum Ortskern führende Bahnhofstraße möglichst repräsentativ gestaltet.
Es entstand eine traufständige Backstein-Empfangshalle als ebenso markanter wie repräsentativer Bau mit zwei Stockwerken, sowie zwei eingeschossigen giebelseitigen Anbauten, die sich dem Haupttrakt unterordneten. Die verwendeten Rundbogenfenster gaben dem Bahnhofsgebäude eine symmetrische Ordnung und Dank dem Renaissancestil entlehnten Details und Zierlinien aus gelben Buntsteinen präsentierte es sich als ein neues Schmuckstück der örtlichen Bebauung.
Der neue Verkehrsweg begünstigte die Ansiedlung verschiedener Wirtschaftsbetriebe in Bahnhofsnähe. Eine eigene Bahnspedition besorgte den An- und Abtransport der Waren mittels Pferdefuhrwerks.
1908 wurde die Bahnlinie bis Niebüll zweigleisig ausgebaut, da Jahr für Jahr eine Zunahme des Personen- und Güterverkehrs festzustellen war und die Zugfolge erhöht wurde.
Ihren betrieblichen Höhepunkt erlebte die Eisenbahn in Bredstedt 1928, als die Bahnlinie von Bredstedt nach Löwenstedt als Nebenbahn der Strecke Husum – Flensburg ihren Betrieb aufnahm, aber bereits im November 1942 wieder eingestellt.
Bereits 1926 wurde in der Stadt verschiedene Bauarbeiten auf dem Bahngelände und im Umfeld vorgenommen. So wurden der Wasserturm, zwei Stellwerke, der Lokomotivschuppen, Kohlebansen, ein Gebäude für die Bahnmeisterei, die Untertunnelung zum zweiten Bahnsteig und Bahnsteigüberdachung gebaut.
Der Wasserturm wurde als 24 m hoher und rund 8 m Durchmesser aufweisender Turm gebaut aus rotem Backstein mit flach geneigtem kegelförmigem Spitzdach. Aus einem Brunnen gespeist, diente er fortan als Wahrzeichen der gesamten Bahnhofsanlage und verfügte im Inneren über einen 140m³ fassenden Behälter der Bauart Barkhausen.
Der epochentypische Bedeutungsverlust des Verkehrssystems Eisenbahn machte sich nach dem Krieg in den folgenden Jahrzehnten durch den zunehmenden Individualverkehr bemerkbar. Der Lockschuppen wurde 1965 abgerissen.
Das Empfangsgebäude verlor Ende der 1970er Jahre seine ursprüngliche Bedeutung. Für den Fahrgastverkehr wurde es kaum noch genutzt und sowohl die Wohnungen als auch die Bahnhofsgaststätte standen leer.
Bald darauf wurde auch die Empfangshalle der DB zum Abriss vorgesehen. Durch den 1986 vollzogenen Eintrag in die Denkmalschutzliste konnte dies verhindert werden, wobei der personenbediente Fahrkartenverkauf Ende 1988 sein Ende fand.
Unter städtischer Beteiligung wurde das Stationsgebäude von einer Eigentümergemeinschaft erworben und durch den Zugriff auf Mittel zur Städtebauförderung ab 1989 grundlegend saniert. Während im Erdgeschoss des Haupttraks die Wartehalle mit dem Zugang zum Bahnsteig, der 1998 fertiggestellte Fahrstuhl und die öffentliche Toilette für Bahnreisende erhalten blieben, entstanden in den übrigen Räumen Wohnungen, sowie in den beiden Anbauten ein Architekturbüro (rechts) und eine Versicherungsagentur (links).
Zwischen 1990 und 1992 wurde das Bahnhofsumfeld grundlegend umgebaut und mit Bushaltestellen, Parkplatzanlagen und Vorplatz versehen.

Der Wasserturm, der bereits 1980 verkauft und umgebaut worden war, beherbergte gastronomische Betriebe und wird seit 2007 als Wohnhaus genutzt.
Mit Einweihung einer stählernen Bahnsteigüberführung im Oktober 2002 entstand eine neue Passagemöglichkeit zwischen den auf der West- und Ostseite liegenden Ortsteilen mit zusätzlichem Zugang zu den Bahnsteigen.


13 Ulmenhof. 1903 von dem Tierarzt Lorenz Nissen erbaut, diente ihm dieses Anwesen als Wohnung und Praxis. Nach seinem Tode gründeten seine Erben 1938 eine Stiftung. Diese trug zum Gedenken an den 1914 gefallenen Sohn den Namen „Broder-Lorenz-Nissen-Stift“. Sechs Wohnungen gaben hier bedürftigen älteren Bredstedtern Unterkunft. Als das Haus später durch die Erträge aus der Verpachtung des Landes und durch Zuschüsse der Stifter nicht mehr unterhalten werden konnte, wurde es verkauft. Der Erlös floss 1986 in den Neubau von Rentnerwohnungen in der Theodor-Storm-Straße. 1990 wurde das Haus renoviert und zum Hotel-Restaurant „Ulmenhof“ umgebaut.


14 Magnussen-Haus, Geburtshaus des Kunstmalers Christian Carl Magnussen (1821-1896), bekannt für seine Darstellungen des friesischen Volkslebens und als Porträtist. Das Gebäude wurde 1794 vom Amtsverwalter Godber Jensen (Initialen am Giebel) in dieser Größe errichtet. Im 19.Jahrhundert diente es vorübergehend als Post, Amtsgericht und Landwirtschaftsschule; gegenüber (Nr. 25) lag das Stockhaus (Gefängnis). Bei der Verfilmung des Fontane-Romans „Effi Briest“ (1955) diente das Magnussen-Haus als Kulisse für die Wohnung des Landrats. Es wurde 1989/90 in Anlehnung an die ursprüngliche Gestaltung durch private Initiative grundlegend restauriert.


15 Stockhaus. Wohl schon um 1530 stand in der Norderstraße das Stockhaus (Gefängnis) der Nordergoesharde. Gemauerte Bänke und Eisenringe im Keller erinnern noch heute daran. 1823 wurde das dem Amt Bredstedt gehörende Haus versteigert. Seither beherbergte es bis 1965 einen Kaufmannsladen, lange Zeit betrieben von Hans Friedrich Feddersen aus Wester-Schnatebüll. Kolonial-, Eisen-, Galanterei- und Kurzwaren sowie „geistige Getränke“ wurden hier verkauft. Ein Urenkel Feddersens ließ das geschichtsträchtige Anwesen im Jahr 2000 umfassend restaurieren.


16 Brücke am Hollebek. Der vom Stollberg kommende Bach Hollebek hat für den Ursprung Bredstedts große Bedeutung. Hier gefundene Werkzeuge aus der jüngeren Steinzeit deuten auf erste Siedlungen hin. Der ehemals morastige Bereich am Unterlauf (de brede Städ = die breite Stätte) soll Vorlage für den Ortsnamen gewesen sein. Seit dem späten Mittelalter verband hier eine Brücke zwei Ortsteile. Diese zunächst aus Holz erbaute Brücke wurde als Symbol in das Wappen der Stadt Bredstedt übernommen (gestiftet vom Landfrauenverein Bredstedt-Reußenköge).


17 Alte Wassermühle. Die Wassermühle wurde 1483 erstmals erwähnt. Schon lange vorher dürfte der Mühlenteich aufgestaut und eine Mühle betrieben worden sein. Sie war königlich, also staatlich, und wurde meistbietend verpachtet. Um den Pächtern sichere Arbeit zu geben, bestand ein „Mühlenzwang“, der erst 1853 aufgehoben wurde. Danach wurde die Mühle verkauft. Das jetzige Gebäude ließ Müller August Jochimsen 1890 in zeittypischem Stil errichten. Bis 1927 war ein Wasserrad in Betrieb, und noch in der Nachkriegszeit wurde hier Korn gemahlen.


18 Clementinische Stiftung, von Anton Clement (Landvogt in Bredstedt 1694-1711) dem Flecken Bredstedt testamentarisch vermachtes Armenhaus. 1720 aus dem gestifteten Kapital von 5000 Reichstalern fertiggestellt, war das Gebäude im ehemals sogenannten „Göse-gang“ zur Aufnahme von acht Witwen aus den unteren Ständen eingerichtet. Nach umfassender Renovierung 1987 durch den neuen Eigentümer (Dänischer Gesundheitsdienst für Südschleswig) dient das Haus weiterhin als Rentnerwohnheim.


19 Altes Pastorat Das erste Pastorat, am Markt Nr. 24 gelegen, war zu alt, nicht mehr geräumig und sehr feucht. Dafür wurde in der Süderstraße, gegenüber der Kirche, ein neues repräsentatives Pastorat errichtet. Es wurde 1891 fertiggestellt und war bis 2008 das Pastorat der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Nikolai. Die hohen Kosten für eine umfassende Renovierung und Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes zu einem zeitgemäßen Pastorat konnte die Kirchengemeinde nicht aufbringen. Das Gebäude wurde 2013 verkauft und privat unter Beachtung der Denkmalschutz-Auflagen zu einem Wohnhaus umgebaut, saniert und im Jahre 2015 bezogen.


20 Amtsgericht 1867 wurde Schleswig-Holstein als Provinz in den preußischen Staatsverbands aufgenommen. Ein eigentliches Gerichtsgebäude war in der vorpreußischen Zeit nicht vorhanden. Für die Zeit 1890 wurde zunächst ein Gebäude angemietet.
Während der 1886 bis 1900 dauernden Amtszeit des Richters Hans Friedrich Werner Franke wurde 1890 am „Westerberg“, dem alten Landweg nach Bordelum (heute Gerichtstraße), das Amtsgerichtsgebäude errichtet und am 27.Sept. 1890 bezogen.
Gebaut wurde es nach den Plänen des Königlichen Reg. Baumeisters Schulz von dem hiesigen Maurermeister Bernhard Hansen als ein mit Schiefer geschuppter Bau.
Im Obergeschoss war die Dienstwohnung für den Richter und im Erdgeschoss die erforderlichen Gerichtsräume untergebracht. Das Personal bestand aus dem Richter, einem Sekretär, einem Aktuar (Gerichtsschreiber), zwei Kanzlisten, einem Gerichtsvollzieher und einem Gerichtsdiener, der auch Gefängniswärter war.
Von 1900 bis 1904 wohnte dort der Amtsgerichtsrat Müller, der nach der Überlieferung meist zur Geschäftsordnung redete und sich häufig verspätete. Das Gebäude bekam deshalb, wie Bruno Preisler in seinen Erinnerungen über Bredstedt ausführte, den Spitznamen „Wartburg“. Zu Zeiten des Richters Thiele (1904-1907), der ziemlich schroff und kurz angebunden war, wurde es in „Drachenfels“ umgetauft.
1905 ließ die Stadt noch ein Gefängnis mit einer Wohnung für den Gerichtsdiener anbauen, das von der Justizverwaltung angemietet wurde.
Im Rahmen der Vereinfachung der Gerichtsorganisation erhielten die kleinen Gerichte, zu denen auch Bredstedt gehörte, 1943 den Status einer Zweigstelle des Landgerichts Flensburg. Ab 01.01.1945 fanden in Bredstedt nur noch Gerichtstage statt.
Nach dem Krieg erhielt Bredstedt erst 1947 wieder ein funktionsfähiges Gericht, nachdem die Gerichtstage durch Richter Karl Mannzen für beendet erklärt worden waren.
Auf Grund der Sparsamkeit der Justiz war das Gerichtsgebäude eines der letzten Häuser in Bredstedt mit Drehstrom. Glühbirnen und elektrische Geräte waren dafür kaum zu erhalten.
Die Schuhfabrik Schmerbeck und Sohn ließ 1949 an das Gefängnis ein Lagergebäude für eine Lederfabrik errichten.
1959 wurde das Gerichtsgebäude verkauft und Mietwohnungen eingerichtet.
Ein neues modernes Amtsgerichtsgebäude erhielt Bredstedt dann 1960 im Birkenweg/Ecke Friedrichsallee.
Zum 01.Jan.1976 wurde das Amtsgericht Bredstedt aufgrund der Amtsgerichtsreform endgültig aufgelöst.


21 Amtsgebäude für das Amt Mittleres Nordfriesland (ehemals Landwirtschaftsschule) Als Mittler zwischen Forschung und Praxis für den landwirtschaftlichen Nachwuchs fungiert die Landwirtschaftsschule Bredstedt seit über einem Jahrhundert.
Die alte Landwirtschaftsschule in der Bahnhofstraße (siehe Nr. 11) konnte die steigenden Schülerzahlen Ende der 1940er-Jahre nicht mehr aufnehmen, was einen Neubau erforderlich machte.
In zwei Bauphasen, 1952 und 1960, erstellte der damalige Kreis Husum mit Hilfe von Bund und Land in der Theodor-Storm-Straße eine großzügige, vorbildliche Ausbildungsstätte für den landwirtschaftlichen Nachwuchs. Nach Aufgabe der hauswirtschaftlichen Ausbildung Anfang der 1970er-Jahre wurde das Grünlandinstitut, später Lehr- und Versuchsanstalt für Grünland und Futterbau nach Bredstedt verlagert, so dass ein „Grünes Zentrum“ entstand.

Im Zuge so genannten Funktionalreform in Schleswig-Holstein beschloss die Landesregierung 1997 die Trägerschaft von der Landwirtschaftskammer auf die Kreise – und damit auf die gesetzlichen Regelschulträger – zu übertragen. 1999 erfolgte eine Angliederung an die Beruflichen Schulen des Kreises Nordfriesland. Der Beratungsbereich wurde auf die Lehr- und Versuchsanstalt übertragen und im Nebengebäude weitergeführt. Somit wurde das Hauptgebäude für die landwirtschaftliche Ausbildung nicht mehr benötigt.

Die ehemalige Landwirtschaftsschule in Bredstedt wurde 2006 von der Gemeinde Reußenköge vom Land Schleswig-Holstein erworben und bis Ende März 2008 stilgerecht zu einem modernen Verwaltungsgebäude umgebaut und modernisiert.


Das Gebäude wurde an das Amt Mittleres Nordfriesland, das durch den Zusammenschluss der Ämter Bredstedt-Land und Stollberg, sowie der Stadt Bredstedt entstanden war, für einen Zeitraum von 20 Jahren von der Gemeinde Reußenköge vermietet. Die Gemeinde Reußenköge, die bisher ihre Verwaltungsgeschäfte von der Stadt Bredstedt erledigen ließ, hat ihre Amtsfreiheit behalten, wird aber nunmehr durch einen Verwaltungsvertrag vom neuen Amt Mittleres Nordfriesland betreut. Der Mietzins wird dabei mit dem Verwaltungsbeitrag verrechnet. Nach 20 Jahren wird das Gebäude zur Hälfte auf das Amt übergehen.


22 Mühle „Lütjenshöft“ Neben zwei ehemals königlichen Mühlen entstand diese Mühle im Norden Bredstedts als Eigentumsmühle, die mit der benachbarten Hofstelle Lütjenshöft („Kleine Anhöhe“) verbunden war. Gebaut wurde sie als leistungsstarke Holländermühle. Bei diesem weiter entwickelten Windmühlentyp konnte die Kappe mit den Flügeln mit geringerem Aufwand in den Wind gedreht werden als bei den bisherigen Bockmühlen.
Ab 1767 entwickelte sich „Lütjenshöft“ zu einer stattlichen Hofstelle mit weiteren Betriebsgebäuden. Das Datum der Errichtung der Mühle ist nicht bekannt, 1748 ließ Lorenz Clausen die Mühle aber ins Brandregister eintragen.
In Anlehnung an die Hofstelle wurde die Graupenmühle auch Lütjenshöftmühle genannt. Die Mühle blieb bis 1807 im Eigentum der Müllerfamilie Clausen und wurde dann zusammen mit der Hofstelle verkauft an den Advokat Conrad Gerdsen.
Am 08.01.1849 brannte die Mühle infolge eines Blitzschlags ab und wurde 1851 als Zwickholländermühle mit massivem Unterbau wieder aufgebaut.
1874 wurde der Müller Eduard Schmidt- Tychsen neuer Besitzer der Mühle und baute eine Bäckerei an, die er später wieder aufgab.
1891 / 92 richtete der Müller Theodor Nissen, als neuer Eigentümer, eine Dampfmühle ein, geriet dabei später in finanzielle Schwierigkeiten und musste Konkurs anmelden.
1906 kaufte der Ziegeleibesitzer Hermann Bruhn die Mühle mit Hofstelle und richtete die Bäckerei wieder ein.
1932 wurde der Müller Lorenz P. Matzen Eigentümer.
Wegen zu hohen Reparaturkosten hat er 1934 die Kappe mit den Flügeln entfernt und einen Motorenraum angebaut und den Mühlenbetrieb bis 1940 mit Elektromotor fortgesetzt.
1941 erwarb der Landmaschinenschlossermeister Jens J. Jensen („Jens Patent“) die zwischenzeitlich stillgelegte Mühle, um dort Landmaschinen zu reparieren und unterzustellen.
Im zweiten Weltkrieg diente der Unterbau als Gefangenenlager.
1946 ließ Max Will im westlichen Teil des Erdgeschosses der alten Mühle, die seit langem unbenutzt und baufällig war, zum größten Teil mit Steinmaterial aus dem Abbruch des Turmes, Wohnräume schaffen.

Der jetzige Eigentümer hat das ehemalige Mühlengebäude um 2009 erworben. Die Mühle sollte möglichst originalgetreu wieder hergerichtet und bewohnbar gemacht werden. In Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde des Kreises Nordfriesland wurde die ursprüngliche Holländermühle (Gesamthöhe ca. 17-18 m) jedoch ohne Flügel und Kappe bis zum Balkon (Galerie) und Mühlenturm-Ansatz bis auf eine Höhe von ca. 11 m wieder aufgebaut. Die Bauarbeiten erfolgten in den Jahren 2015 – 18. Der westliche Teil dient heute als Ferienwohnung.


23 Ehemaliges Kaiserliches Postamt
Das Grundstück wurde im Dezember 1887 von Maurermeister und Bauunternehmer Hermann Johannes Bruhn erworben. 1888/89 hat er auf diesem ein Gebäude als Postamt gebaut. Der alleinige Eingang befand sich auf der linken Seite des Gebäudes. Die Post hatte eine ab 1. Oktober 1888 laufende 12jährige Mietzeit zugesichert. Tatsächlich war dort von 1890 bis 1930 das Kaiserliche Postamt und das Reichspostamt untergebracht.
Bereits 1927/28 bemühte sich die Post um ein eigenes Grundstück, da das bisherige Gebäude als unzulänglich angesehen wurde.
Nach Besitzerwechseln in den Jahren 1916 und 1920 und dem Auszug der Post im März 1930 übernahm dann die Schleswig-Holsteinische Bank das Haus. Nach der Übernahme ist das Haus neu verblendet worden und die Wappen wurden in die Fassade integriert.

1952 wurde dieses Gebäude vom Bundesamt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Nürnberg erworben und als Arbeitsamt genutzt.
Von 1965 bis 1990 waren die Räumlichkeiten vom Verein Nordfriesisches Institut angemietet worden, in dem am 31. August 1965 das 1964 gegründete Nordfriisk Instituut in drei Räumen seine Arbeit aufnahm.

Danach wurde das Gebäude nach Umbauarbeiten Anfang der 1990 Jahre und 2005 gewerblich genutzt.


 

Die beiden Wappen über den jetzt zwei Eingängen sind in den 1930er Jahren angebracht worden. Rechts das alte Bredstedter Wappen mit der auf jeweils 3 Pfählen stehende hölzerne Brücke über bewegtem Wasser von 1691. Das linke Wappen mit den fünf Teilen soll die schleswig-holsteinische Identität und Tradition nach dem Sieg gegen Dänemark 1864 bekunden. Die vier äußeren Wappen stehen für Schleswig und Holstein (oben) sowie Stormarn und Dithmarschen. In der Mitte das Wappen der Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst als Herkunft des ehemaligen Landesherrn.